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<title>Gallienus</title>
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<h1 id="firstHeading" class="firstHeading mw-first-heading"><span class="mw-page-title-main">Gallienus</span></h1>
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<p><b>Publius Licinius Egnatius Gallienus</b> (* um <a href="218" title="218">218</a>; † <a href="268" title="268">268</a>), kurz <b>Gallienus</b>, war von 253 bis 260 neben seinem Vater <a href="Valerian" title="Valerian">Valerian</a> Mitregent des <a href="R%C3%B6misches_Reich" title="Römisches Reich">Römischen Reiches</a> und von 260 bis 268 alleiniger Herrscher während der <a href="Reichskrise_des_3._Jahrhunderts" title="Reichskrise des 3. Jahrhunderts">Reichskrise des 3. Jahrhunderts</a>.
</p>

<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Leben">Leben</h2></div>
<p>Gallienus war der Sohn von <a href="Valerian" title="Valerian">Valerian</a> und dessen Frau <a href="Egnatia_Mariniana" title="Egnatia Mariniana">Egnatia Mariniana</a>. Er war mit <a href="Salonina" title="Salonina">Salonina</a> verheiratet und hatte drei Söhne; <a href="Valerianus_Caesar" title="Valerianus Caesar">Valerianus</a>, <a href="Saloninus" title="Saloninus">Saloninus</a> und <a href="Marinianus" title="Marinianus">Marinianus</a>.
</p><p>Anders als viele <a href="Soldatenkaiser" title="Soldatenkaiser">Soldatenkaiser</a> – vor allem nach ihm – stammte Gallienus zumindest mütterlicherseits aus der <a href="Nobilit%C3%A4t" title="Nobilität">Nobilität</a>, der Oberschicht des Imperiums. Als sein Vater 253 zum Kaiser ausgerufen wurde, wurde Gallienus möglicherweise zunächst vom Senat zum <i><a href="Caesar_(Titel)" title="Caesar (Titel)">Caesar</a></i> und nach kurzer Zeit von Valerianus zum <i><a href="Augustus_(Titel)" title="Augustus (Titel)">Augustus</a></i> ernannt. Vater und Sohn regierten fortan nebeneinander und waren absolut gleichberechtigt, scheinen aber kaum noch Kontakt zueinander gesucht zu haben: Valerian kümmerte sich um den Osten des Reiches, Gallienus war die Nordgrenze an Rhein und Donau anvertraut.
</p><p>Ab dem Jahr 260, als Valerian in der <a href="Schlacht_von_Edessa" title="Schlacht von Edessa">Schlacht von Edessa</a> von den <a href="Sassanidenreich" title="Sassanidenreich">persischen Sassaniden</a> gefangen genommen wurde, regierte Gallienus das Reich allein, das in seiner Regierungszeit den Höhepunkt der <i><a href="Reichskrise_des_3._Jahrhunderts" title="Reichskrise des 3. Jahrhunderts">Reichskrise des 3. Jahrhunderts</a></i> durchlief. Gallienus wurde später vorgeworfen, zu wenig für die Befreiung seines Vaters getan zu haben. Es gelang ihm bis zu seinem Tod niemals, das ganze <i>Imperium Romanum</i> unter seine Kontrolle zu bekommen.
</p><p>Seine Herrschaft war vielmehr von Aufständen in den eigenen Reihen und wiederkehrenden Einfällen <a href="Germanen" title="Germanen">germanischer Stämme</a> gezeichnet. Bei der Verteidigung des Reichs war Gallienus jedoch durchaus erfolgreich. Bereits 254 bis 258 musste er an Rhein und Donau sein militärisches Geschick unter Beweis stellen, als er Querungen der Grenzflüsse durch Germanen und <a href="Karpen" title="Karpen">Karpen</a> verhinderte. Dafür wurde ihm mehrmals der Ehrentitel <i>Germanicus Maximus</i> sowie 257 der Titel des <i>Dacicus Maximus</i> verliehen. Der Titel des <i>Germanicus</i> erscheint gelegentlich auch auf den Rückseiten seiner Münzen.<sup id="cite_ref-1" class="reference"><a href="#cite_note-1"><span class="cite-bracket">[</span>1<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> Er konnte jedoch nicht verhindern, dass plündernde <a href="Franken_(Volk)" title="Franken (Volk)">Franken</a> in großer Zahl nach Gallien und bis nach <a href="Tarraco" title="Tarraco">Tarraco</a> an der katalanischen Mittelmeerküste vordrangen und die Stadt zerstörten.
</p>

<p>259 siegte Gallienus bei Mailand über die <a href="Alamannen" title="Alamannen">Alamannen</a> und <a href="Juthungen" title="Juthungen">Juthungen</a>, die den <a href="Limes_(Grenzwall)" class="mw-redirect" title="Limes (Grenzwall)">Limes</a> durchbrochen hatten und bis nach Norditalien vorgestoßen waren. In dieser Zeit überrannten die <a href="Sueben" title="Sueben">Sueben</a> vermutlich auch die <i><a href="Agri_decumates" title="Agri decumates">Agri decumates</a></i> am Neckar. 260 besiegte schließlich ein raetisch-obergermanisches Aufgebot bei <i><a href="Augusta_Vindelicum" title="Augusta Vindelicum">Augusta Vindelicorum</a></i> (<a href="Augsburg" title="Augsburg">Augsburg</a>) eine germanische Beutegemeinschaft, wobei auch viele römische Gefangene befreit wurden (siehe <a href="Augsburger_Siegesaltar" title="Augsburger Siegesaltar">Augsburger Siegesaltar</a>). Gleichzeitig wurde das <a href="Agri_decumates" title="Agri decumates">Dekumatland</a> von den kaiserlichen Truppen aufgegeben (siehe <a href="Limesfall" title="Limesfall">Limesfall</a>). Fortan bildeten Donau, Iller und Rhein die neue Reichsgrenze, auch wenn der römische Herrschaftsanspruch in Bezug auf das Dekumatland prinzipiell bestehen blieb. Die rechtsrheinischen Gebiete wurden in den folgenden Jahren sukzessive von den Alamannen besiedelt, die römische Zivilisation verschwand weitgehend aus diesen Territorien.
</p><p>Möglicherweise musste Gallienus kurz nach 260 auch die Räumung mindestens eines südlichen Abschnitts des <i><a href="Limes_Tripolitanus" title="Limes Tripolitanus">Limes Tripolitanus</a></i> anordnen, wie die Forschungen am in Libyen gelegenen <a href="Kastell_Gholaia" title="Kastell Gholaia">Grenzkastell Gholaia</a>/Bu Njem durch <a href="Michael_Mackensen" title="Michael Mackensen">Michael Mackensen</a> gezeigt haben, welches planmäßig geräumt wurde.<sup id="cite_ref-Mackensen_2008_286_2-0" class="reference"><a href="#cite_note-Mackensen_2008_286-2"><span class="cite-bracket">[</span>2<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> Und schließlich musste Gallienus auch akzeptieren, dass die <a href="Markomannen" title="Markomannen">Markomannen</a> nördlich der Donau in gefährlicher Nähe der römischen Grenze ein neues Königreich errichteten. Es wird sogar berichtet, dass er eine markomannische Prinzessin zur zweiten Frau nahm, um die Beziehungen zu dem mächtigen Nachbarn zu verbessern; doch ist diese Überlieferung in der Forschung angezweifelt worden.
</p><p>Im durch Valerians Gefangennahme ohnehin chaotischen Jahr 260, erhoben sich zunächst die zwei Usurpatoren <a href="Ingenuus" title="Ingenuus">Ingenuus</a> und <a href="Regalianus" title="Regalianus">Regalianus</a> an der Donau, die Gallienus zwangen, dort vor Ort in <a href="Pannonien" title="Pannonien">Pannonien</a> für Ordnung zu sorgen. Einstweilen übertrug er <a href="Postumus" title="Postumus">Postumus</a> das Kommando über die Legionen an der Rheingrenze, was sich aber bald als schwerer Fehler herausstellen sollte. Postumus geriet nämlich sogleich mit dem <a href="Pr%C3%A4torianerpr%C3%A4fekt" title="Prätorianerpräfekt">Prätorianerpräfekten</a> Silvanus in Konflikt, der Gallienus’ Erben, den <i>Caesar</i> <a href="Saloninus" title="Saloninus">Saloninus</a>, in Köln in seiner Obhut hatte. Postumus eroberte die Stadt, wobei Silvanus und der noch kurz zuvor zum <i>Augustus</i> erhobene Saloninus getötet wurden. Daraufhin riefen Postumus’ Truppen diesen zum Gegenkaiser aus, dem sich die Provinzen <a href="Gallien" title="Gallien">Galliens</a>, <a href="Britannien" title="Britannien">Britanniens</a> und Spaniens anschlossen. Auch Rätien erkannte spätestens im Herbst 260 Postumus als Kaiser an. Ein <i><a href="Imperium_Galliarum" class="mw-redirect" title="Imperium Galliarum">gallisches Sonderreich</a></i> mit eigener Verwaltung entstand, womit sich Gallienus vorerst abfinden musste.
</p><p>Taktisch klug entschloss sich Postumus, nicht die Herrschaft über das Gesamtreich anzustreben; er beschränkte sich auf die Westprovinzen und kümmerte sich recht erfolgreich um die Abwehr der Germanen an der Rheingrenze. Zugleich blieb Gallienus nicht untätig: Jüngst ist in der Forschung überzeugend die Ansicht vertreten worden, Rätien sei bereits 261 (und nicht erst 265) wieder von Gallienus eingenommen worden; ein zweiter Feldzug des Kaisers gegen Postumus scheiterte einige Jahre später, da Gallienus durch einen Pfeil schwer verwundet wurde.
</p><p>Auch im Osten herrschte nach der Gefangennahme des Valerian Ende 260 Unruhe, denn die Sassaniden drangen, ohne auf Widerstand zu stoßen, bis <a href="Antiochia" class="mw-redirect" title="Antiochia">Antiochia</a> vor. Den Feldherren <a href="Macrianus_Maior" title="Macrianus Maior">Macrianus</a> und <a href="Ballista" title="Ballista">Callistus</a> gelang es aber offenbar, die verbliebenen römischen Truppen zu sammeln und <a href="Schapur_I." title="Schapur I.">Schapur I.</a> bei <a href="Korykos" title="Korykos">Korykos</a> zu schlagen. Die Perser zogen sich daraufhin hinter den <a href="Euphrat" title="Euphrat">Euphrat</a> zurück. Macrianus ließ dann aber seine Söhne <a href="Macrianus_Minor" title="Macrianus Minor">Macrianus</a> und <a href="Quietus" title="Quietus">Quietus</a> zu Kaisern ausrufen. Obwohl sich Syrien, Ägypten und <a href="Kleinasien" title="Kleinasien">Kleinasien</a> der Rebellion anschlossen, währte sie nicht lange, da beide Macriani nach Westen zogen, um Gallienus direkt herauszufordern. Dessen General <a href="Aureolus" title="Aureolus">Aureolus</a> – Kommandant des von Gallienus kurz zuvor neu gebildeten und gewöhnlich bei Mailand stationierten Reiterkorps – besiegte die Aufständischen auf dem <a href="Balkanhalbinsel" title="Balkanhalbinsel">Balkan</a> entscheidend.
</p><p>Quietus erging es in Syrien nicht besser, wo er von <a href="Septimius_Odaenathus" title="Septimius Odaenathus">Odaenathus</a> angegriffen und in <a href="Emesa" class="mw-redirect" title="Emesa">Emesa</a> ermordet wurde. Odenathus, der einflussreiche Stadtherr von <a href="Palmyra" title="Palmyra">Palmyra</a>, hatte von Gallienus den Oberbefehl über die gesamten römischen Truppen im Osten (<i>corrector totius Orientis</i>) erhalten. Von 262 bis 267 eroberte er in einer Reihe von Feldzügen gegen die Sassaniden einen Großteil Nord<a href="Mesopotamien" title="Mesopotamien">mesopotamiens</a> zurück. Es gelang ihm jedoch nicht, die persische Hauptstadt <a href="Ktesiphon" class="mw-redirect" title="Ktesiphon">Ktesiphon</a> einzunehmen. Bevor er 267 ermordet wurde, herrschte er wie ein faktisch unabhängiger König über den Osten, obwohl er formal loyal gegenüber Rom blieb und von Gallienus mit zahlreichen Ehrentiteln ausgezeichnet wurde.
</p><p>Im Jahr 268 ereignete sich ein erneuter großer Goteneinfall. Der Kaiser rückte gegen die <a href="Goten" title="Goten">Goten</a> vor und errang in der Schlacht am Nestos einen wichtigen Sieg. Als ihn die Nachricht erreichte, es gebe eine Rebellion in Mailand, wo sich Aureolus gegen ihn erhoben hatte, überließ Gallienus die Führung des Gotenkriegs seinen Generälen und brach nach Mailand auf. Dort fiel er, ehe es zur Schlacht kam, einer Verschwörung seiner Offiziere zum Opfer und wurde erschlagen. Gallienus wurde in einem Grab an der <a href="Via_Appia" title="Via Appia">Via Appia</a> beigesetzt, etwa 15&nbsp;km von Rom entfernt. Sein Nachfolger <a href="Claudius_Gothicus" title="Claudius Gothicus">Claudius Gothicus</a>, der zumindest von dem Komplott wusste, veranlasste die <a href="Apotheose" title="Apotheose">Apotheose</a> seines Vorgängers, dennoch wurde eine große Anzahl seiner Inschriften zerstört.
</p>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Leistungen">Leistungen</h2></div>


<p>In der antiken (lateinischen) Überlieferung wird Gallienus insgesamt sehr negativ bewertet.<sup id="cite_ref-3" class="reference"><a href="#cite_note-3"><span class="cite-bracket">[</span>3<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> Er zog offenbar den Unmut der Senatoren auf sich, als er sie vom Militärdienst ausschloss. Zuvor hatten zahlreiche Senatoren als Legionslegaten wichtige Kommandanturen besetzt. Gallienus setzte angesichts der militärischen Krise eher auf erfahrene Soldaten und griff dabei zumeist auf Angehörige des Ritterstandes zurück. Dies erklärt vermutlich, weshalb die Senatoren, die sich endgültig entmachtet fühlten, in Gallienus den alleinig Verantwortlichen für alle Krisen und Probleme seiner Regierungszeit sahen. Den <a href="Christen" class="mw-redirect" title="Christen">Christen</a> gegenüber war er tolerant – die Verfolgungsedikte, die sein Vater erlassen hatte, hob Gallienus 260 sogleich auf – und bereitete den Weg für die <a href="Diokletian" title="Diokletian">diokletianisch</a>-<a href="Konstantin_der_Gro%C3%9Fe" title="Konstantin der Große">konstantinische</a> Reichsverfassung, indem er Militär und Verwaltung reformierte. Die Schaffung einer mobilen Eingreiftruppe aus <a href="Kataphrakt" title="Kataphrakt">schwerer Kavallerie</a> in Mailand, war einer dieser Schritte.
</p><p>Gallienus wurde oft vorgeworfen, nicht entschlossen genug gegen Postumus, <a href="Palmyra" title="Palmyra">Palmyra</a> und die äußeren Feinde vorgegangen zu sein, doch auch dies könnte der negativ voreingenommenen <a href="Senatorische_Geschichtsschreibung" title="Senatorische Geschichtsschreibung">senatorischen Geschichtsschreibung</a> geschuldet sein. Die Donaugrenze verteidigte er trotz schwerer Angriffe recht erfolgreich. Der Versuch, das gallische Sonderreich zu zerschlagen, misslang 265, weil er im Kampf verwundet wurde. Rätien kehrte jedoch ins Reich zurück. Alles Weitere hätte die ihm zur Verfügung stehenden Mittel wohl überfordert.
</p><p>Gallienus interessierte sich auch für griechische Lebensart, Kunst, Religion (als vorletzter Kaiser – der letzte war <a href="Julian_(Kaiser)" title="Julian (Kaiser)">Julian</a> – ließ er sich in die <a href="Mysterien_von_Eleusis" title="Mysterien von Eleusis">Mysterien von Eleusis</a> einweihen) und Philosophie – er stand in Kontakt mit <a href="Plotin" title="Plotin">Plotin</a> – und versuchte offenbar eine bewusste Rückwendung hin zu den Formen des 1. und 2.&nbsp;Jahrhunderts. Er hielt sich länger als die meisten seiner direkten Vorgänger in Rom auf, der alten Hauptstadt des Imperiums. Seine Regierungszeit ist daher mitunter als <i>Gallienische Renaissance</i> bezeichnet worden.
</p>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Münzen"><span id="M.C3.BCnzen"></span>Münzen</h2></div>


<p>Obwohl die Münztypen stark voneinander abweichen, zeichnet sich bei Betrachtung einer großen Anzahl Münzen ein relativ einheitliches Bild vom Porträtkopf des Gallienus:
</p><p>Er erscheint mit vollem, halblangem, leicht gebüscheltem Haar, das seitlich über die Stirn gekämmt wird. Sein Bart ist kurz geschnitten und reicht weit zum Hals herab. Sein Profil wirkt fein und an der Nasenwurzel leicht gebrochen, wobei seine spitze Nase leicht hervortritt und nach unten gerichtet ist. Er besitzt einen leicht zugespitzten Mund und ein abgekehltes Kinn.
</p><p>Die Bronzemedaillons weichen manchmal von den Münzbildern ab und geben offensichtlich ein geschöntes Bild wieder.<sup id="cite_ref-4" class="reference"><a href="#cite_note-4"><span class="cite-bracket">[</span>4<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> Als Kopfschmuck finden Strahlenkrone, Schilf- oder Ährenkranzhelm oder Löwenhaut Verwendung.
</p>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Bildnistypen">Bildnistypen</h2></div>
<p>Der Alleinherrschertypus des Gallienus zeichnet sich durch die gedrungene Kopfform mit dickem, perückenhaft aufliegendem Haar aus. Die Merkmale des Samtherrschertypus sind die hochgestreckte Kopfform und die dünne Haarkappe. Der Wechsel vom ersten zum zweiten Typus datiert etwa um 261.
</p><p>Gallienus wandte sich von den Porträtgestaltungen der vorausgehenden Soldatenkaiser ab und griff auf gemäßigtere Bildnisformen zurück, die sich an spätseverischen oder julisch-claudischen Porträts orientierten. In der Zeit der größten Krise allerdings stilisierte sich Gallienus völlig um und zeigt in seinen beiden Bildnistypen bewusst abstrakte Züge mit langem Haar.
</p><p>Als Vorbild für sein Porträt wählte er <a href="Augustus" title="Augustus">Augustus</a>, wobei sein Stirnhaar der Lockenanordnung des Augustus ähnelt. Besonders deutlich zu sehen ist dies auf dem Kopf in Lagos<sup id="cite_ref-5" class="reference"><a href="#cite_note-5"><span class="cite-bracket">[</span>5<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> und den Porträts des Palazzo del Quirinale in Rom<sup id="cite_ref-6" class="reference"><a href="#cite_note-6"><span class="cite-bracket">[</span>6<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>. Neben dem Gabel-Zangen-Motiv der Augustusfrisur, wurden auch die Nackenhaargestaltung und die dicken Strähnen des Haupthaares übernommen.
</p>
<div class="mw-heading mw-heading3"><h3 id="Samtherrschaftstypus_(253–260)"><span id="Samtherrschaftstypus_.28253.E2.80.93260.29"></span>Samtherrschaftstypus (253–260)</h3></div>
<p>Dieser Kopf gilt als verhältnismäßig jugendliches Bild des Gallienus, das aus der Zeit der Mitherrschaft mit seinem Vater <a href="Valerian" title="Valerian">Valerian</a> stammt. Allerdings wurden bei diesem Werk im Bereich der Nase und in der Mitte der Oberlippe Ergänzungen vorgenommen. Im Profil ist ein lang ansteigender Scheitel mit einer kräftigen Rundung zum Hinterkopf zu erkennen. Das Haar ist recht kurz geschnitten, glatt und liegt in lockeren Strähnen an. Auf der Stirn, die über den Brauen leicht gebuckelt ist, fällt eine kleine Furche auf. Die Brauenbögen senken sich leicht zu den Augenwinkeln hin und über den Oberlidern ist ein kleiner Polster zu beobachten. Die leicht ausgeprägten Wangenknochen senken die Wangen zum Mund herab und die Oberlippe tritt über der Unterlippe leicht hervor. Im Gegensatz zu den Münzbildnissen, reicht der Bart etwas weiter an den Wangen hinauf und an der Kinnkehle hinab.
</p>
<div class="mw-heading mw-heading3"><h3 id="Alleinherrschaftstypus_(261–266)"><span id="Alleinherrschaftstypus_.28261.E2.80.93266.29"></span>Alleinherrschaftstypus (261–266)</h3></div>
<p>Durch Vergleiche mit Münzen aus der Zeit der Alleinherrschaft ist auch der Kopf im <a href="Museo_Nazionale_Romano" title="Museo Nazionale Romano">Museo Nazionale Romano</a> eindeutig als Bildnis des Gallienus zu bestimmen. Erst bei näherer Betrachtung lässt sich feststellen, dass es sich um denselben Bildnistypus handelt wie im <a href="Palazzo_Braschi" title="Palazzo Braschi">Palazzo Braschi</a>. Im Profil gut zu erkennen ist die leicht ansteigende Scheitellinie, weiters die Furche auf der Stirn. Auch die Anschwellung über den Augenbrauen, die sich nach außen senken, ist vorhanden. Ebenso entsprechen die leicht ausgeprägten Wangenknochen, die hervortretende Oberlippe und der weit hinabwuchernde Bart dem voran besprochenen Typus.
</p><p>Abgesehen davon, dass der Typus im Palazzo Braschi in die Länge gezogen ist, wohingegen der Kopf im Museo Nazionale Romano eher in die Breite geht, unterscheiden sich diese beiden Köpfe also nicht wesentlich. Man kann daher mit Sicherheit sagen, dass es sich bei beiden Köpfen um ein und dieselbe Person handelt. Der Kopf im Museo Nazionale Romane zeigt Gallienus in etwas höherem Alter, was alleine schon an der tiefer gefurchten Stirn erkennbar ist. Aufgrund von Vergleichen mit Münzen aus der Zeit der Alleinherrschaft des Gallienus, kann dieser Kopf also als Alleinherrscherbildnis bezeichnet werden.
</p>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Quellen">Quellen</h2></div>
<p>Das Bild des Gallienus wird in den lateinischen Quellen äußerst negativ gezeichnet; in den griechischen hingegen wird er positiv dargestellt.<sup id="cite_ref-7" class="reference"><a href="#cite_note-7"><span class="cite-bracket">[</span>7<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> Ein Grund war wahrscheinlich die Abneigung der Senatoren, was sich vor allem in <a href="Senatorische_Geschichtsschreibung" title="Senatorische Geschichtsschreibung">pro-senatorischen Geschichtswerken</a>, wie der von der <i><a href="Enmannsche_Kaisergeschichte" title="Enmannsche Kaisergeschichte">Enmannschen Kaisergeschichte</a></i> abhängenden Werken widerspiegelte. Auch bewusste Manipulationen durch seine Nachfolger, die für Gallenius’ Ermordung verantwortlich waren, könnten eine Rolle gespielt haben.
</p><p>Mehrere Werke, in denen die Zeit des Gallienus behandelt wurde, sind verloren gegangen, so etwa die Geschichtswerke des <a href="Ephoros_der_J%C3%BCngere" title="Ephoros der Jüngere">jüngeren Ephoros</a> und des <a href="Nikostratos_von_Trapezunt" title="Nikostratos von Trapezunt">Nikostratos von Trapezunt</a>; die <i>Chronik</i> des <a href="Publius_Herennius_Dexippus" title="Publius Herennius Dexippus">Dexippos</a> ist nur fragmentarisch erhalten.
</p><p>Als Hauptquelle für das Leben des Gallienus und seine kriegerischen Unternehmungen dient dessen Biographie in der (etwa 150 Jahre später entstandenen) <a href="Sp%C3%A4tantike" title="Spätantike">spätantiken</a> <i><a href="Historia_Augusta" title="Historia Augusta">Historia Augusta</a></i>. Die Historia Augusta gilt allerdings als höchst problematische Quelle. Viele Forscher sind der Ansicht, dass die Behauptungen der Historia Augusta in Hinblick auf Gallienus zum größten Teil frei erfunden sind. Es ist jedoch auch denkbar, dass dem spätantiken Verfasser der Historia Augusta ältere Quellen vorlagen, welche die negative Sicht der Senatoren widerspiegelten (vgl. auch <i><a href="Drei%C3%9Fig_Tyrannen_in_der_Historia_Augusta" title="Dreißig Tyrannen in der Historia Augusta">Dreißig Tyrannen in der Historia Augusta</a></i>).
</p><p>In der Gallienusvita der Historia Augusta wird nicht nur sein Leben beschrieben, sondern auch die angeblichen Wesenszüge des Kaisers charakterisiert: Man wirft ihm vor, sich Zirkusspielen und anderen Vergnügungen hingegeben zu haben, statt Rache für die Gefangennahme seines Vaters zu üben. Angeblich empfand Gallienus es sogar als angenehm, sich von der ständigen Beobachtung durch den Vater lösen zu können.<sup id="cite_ref-8" class="reference"><a href="#cite_note-8"><span class="cite-bracket">[</span>8<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>
</p><p>Von den Aufzählungen der zahlreichen negativen Eigenschaften des Kaisers seien hier nur einige genannt: Er soll sich durchgehend Frauen, Wein und anderen Ausschweifungen hingegeben und das Reich der Verwüstung preisgegeben haben, so dass „jede Frau“ besser hätte regieren können.<sup id="cite_ref-9" class="reference"><a href="#cite_note-9"><span class="cite-bracket">[</span>9<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> Zudem protzte er angeblich mit diversen Luxusgütern, wie Purpurmänteln und juwelenbesetzten Schuhriemen, und trank ausschließlich aus goldenen Bechern.<sup id="cite_ref-10" class="reference"><a href="#cite_note-10"><span class="cite-bracket">[</span>10<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> Im gleichen Atemzug werden ihm allerdings Verdienste auf dem Gebiet der Landwirtschaft zugesprochen. So soll er ein Verfahren erschaffen haben, das es ermöglichte, das ganze Jahr über frischen Most zu haben.<sup id="cite_ref-11" class="reference"><a href="#cite_note-11"><span class="cite-bracket">[</span>11<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>
</p>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Literatur">Literatur</h2></div>
<ul><li><a href="Andreas_Alf%C3%B6ldi" title="Andreas Alföldi">Andreas Alföldi</a>: <i>Studien zur Geschichte der Weltkrise des 3. Jahrhunderts nach Christus</i>. Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Darmstadt 1967.</li>
<li><a href="Franz_Altheim" title="Franz Altheim">Franz Altheim</a>: <i>Die Soldatenkaiser</i>. Klostermann, Frankfurt/M. 1939.</li>
<li>Lukas de Blois: <i>The policy of the Emperor Gallienus</i>. Brill, Leiden 1976, ISBN 90-04-04508-2 (zugl. Dissertation, Universität Amsterdam 1974).</li>
<li>John Jefferson Bray: <i>Gallienus. A Study in Reformist and Sexual Politics</i>. Wakefield Press, Kenttown 1997 (unkonventionelle Studie).</li>
<li>Michael Geiger: <i>Gallienus.</i> Peter Lang, Frankfurt a. M. 2013, ISBN 978-3-631-64534-5 (<a rel="nofollow" class="external text" href="http://hsozkult.geschichte.hu-berlin.de/rezensionen/2014-2-085">Rezension</a> bei <a href="H-Soz-Kult" title="H-Soz-Kult">H-Soz-Kult</a>; <a rel="nofollow" class="external text" href="http://sehepunkte.de/2014/12/24433.html">Rezension</a> bei <a href="Sehepunkte" title="Sehepunkte">sehepunkte</a>).</li>
<li>Andreas Goltz, <a href="Udo_Hartmann" title="Udo Hartmann">Udo Hartmann</a>: <i>Valerianus und Gallienus</i>. In: <i>Die Zeit der Soldatenkaiser. Krise und Transformation des Römischen Reiches im 3. Jahrhundert n. Chr.</i> Hrsg. von <a href="Klaus-Peter_Johne" title="Klaus-Peter Johne">Klaus-Peter Johne</a>. Berlin 2008, S. 223–295.</li>
<li><a href="Udo_Hartmann" title="Udo Hartmann">Udo Hartmann</a>: <i>Der Mord an Kaiser Gallienus</i>. In: <i>Deleto paene imperio Romano. Transformationsprozesse des Römischen Reiches im 3. Jahrhundert und ihre Rezeption in der Neuzeit</i>, hrsg. v. Klaus-Peter Johne, Thomas Gerhardt u. Udo Hartmann, Stuttgart 2006, S. 81–124.</li>
<li>Michael Peachin: <i>Gallienus Caesar?</i> In: <i><a href="Zeitschrift_f%C3%BCr_Papyrologie_und_Epigraphik" title="Zeitschrift für Papyrologie und Epigraphik">Zeitschrift für Papyrologie und Epigraphik</a></i> 74, 1988, S. 219–224.</li>
<li><a href="Hans-Georg_Pflaum" title="Hans-Georg Pflaum">Hans-Georg Pflaum</a>: <i>Zur Reform des Kaisers Gallienus</i>. In: <i>Historia</i> 25, 1976, S. 109–117.</li>
<li><a href="Arnold_Hugh_Martin_Jones" title="Arnold Hugh Martin Jones">Arnold Hugh Martin Jones</a>, John Robert Martindale, <a href="John_Morris_(Historiker)" title="John Morris (Historiker)">John Morris</a>: <i>P. Licinius Egnatius Gallienus 1.</i> In: <i><a href="The_Prosopography_of_the_Later_Roman_Empire" title="The Prosopography of the Later Roman Empire">The Prosopography of the Later Roman Empire</a></i> (PLRE). Band 1, Cambridge University Press, Cambridge 1971, ISBN 0-521-07233-6, S. 383–384.</li>
<li><a href="Michael_Sommer_(Historiker)" title="Michael Sommer (Historiker)">Michael Sommer</a>: <i>Die Soldatenkaiser</i>. Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Darmstadt 2004, ISBN 3-534-17477-1.</li>
<li><a href="Wolfgang_Kuhoff" title="Wolfgang Kuhoff">Wolfgang Kuhoff</a>: <i>Herrschertum und Reichskrise. Die Regierungszeit der römischen Kaiser Valerianus und Gallienus (253–268 n. Chr.)</i>. Studienverlag Brockmeyer, Bochum 1979, ISBN 3-88339-061-5</li></ul>
<dl><dt>Bildnisse</dt></dl>
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<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Weblinks">Weblinks</h2></div>
<div class="sisterproject" style="margin:0.1em 0 0 0;"><div class="noresize noviewer" style="display:inline-block; line-height:10px; min-width:1.6em; text-align:center;" aria-hidden="true" role="presentation"><span class="mw-default-size" typeof="mw:File"><span title="Commons"></span></span></div><b><span class=""><a class="external text" href="https://commons.wikimedia.org/wiki/Category:Gallienus?uselang=de"><span lang="en">Commons</span>: Gallienus</a></span></b>&nbsp;– Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien</div>
<ul><li>Richard D. Weigel: <a rel="nofollow" class="external text" href="http://roman-emperors.sites.luc.edu/gallval.htm">Kurzbiografie (englisch)</a> bei <i><a href="De_Imperatoribus_Romanis" title="De Imperatoribus Romanis">De Imperatoribus Romanis</a></i> (mit Literaturangaben)</li>
<li><a rel="nofollow" class="external text" href="http://penelope.uchicago.edu/Thayer/E/Roman/Texts/Historia_Augusta/Gallieni_duo*.html">Biografie aus der <i>Historia Augusta</i> (englisch)</a> bei <a href="LacusCurtius" title="LacusCurtius">LacusCurtius</a></li></ul>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Anmerkungen">Anmerkungen</h2></div>
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</ol>
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<div class="hintergrundfarbe1 rahmenfarbe1 navigation-not-searchable normdaten-typ-p" style="border-style: solid; border-width: 1px; clear: left; margin-bottom:1em; margin-top:1em; padding: 0.25em; overflow: hidden; word-break: break-word; word-wrap: break-word;" id="normdaten">
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Normdaten&nbsp;(Person): <a href="Gemeinsame_Normdatei" title="Gemeinsame Normdatei">GND</a>: <span class="-print"><a rel="nofollow" class="external text" href="https://d-nb.info/gnd/118537334">118537334</a></span> | <a href="Library_of_Congress_Control_Number" title="Library of Congress Control Number">LCCN</a>: <span class="-print"><a rel="nofollow" class="external text" href="https://id.loc.gov/authorities/n80123081">n80123081</a></span> | <a href="Virtual_International_Authority_File" title="Virtual International Authority File">VIAF</a>: <span class="-print"><a rel="nofollow" class="external text" href="https://viaf.org/viaf/10637212/">10637212</a></span> | </div>
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